Freitag, 4. Januar 2008
Was siegt?
Bestätigt Karl nicht indirekt den namenlosen Räuber, der von Groß-Mann-Sucht spricht?
Sein herrisches Auftreten gegenüber den Männern scheint mir ein Indiz dafür. Selbst sagt Moor: "Man könnte mich darum bewundern" Und darauf folgend "nach einigem Nachsinnen" entschließt er sich seinem Abgang die Egozentrik zu nehmen, durch seine Tagelöhner-Aktion.
Vernunft verliert (Amalia wird ihm wie im Wahn hingerichtet, als Moor sich nicht für würdig erachtet)
Liebe verliert
Männerbund verliert
Meine Frage steht: Was siegt?
siegt die Gerechtigkeit? wohl kaum... oder?
siegt die Moral?
siegt die Ordnung, das Recht?
(das denke ich, er begibt sich aus mehr oder weniger freien Stücken in seine Hand, opfert sich ihm:
"[...]- O eitle Kinderei - da steh ich am Rand eines entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähnklappern und Heulen, daß zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zu Grunde richten würden. Gnade - Gnade dem Knaben, der Dir Vorgreifen wollte - Dein eigen allein ist die Rache, Du bedarfst nicht des Menschen Hand. Freilich stehts nun in meiner Macht nicht mehr die Vergangenheit einzuholen - schon bleibt verdorben, was verdorben ist - was ich gestürzt habe steht ewig niemals mehr auf - Aber noch blieb mir etwas übrig, womit ich die beleidigte Gesetze versöhnen, und die mißhandelte Ordnung wiederum heilen kann. Sie bedarf eines Opfers - Eines Opfers, das ihre unverletbare Majestät vor der ganzen Menschheit entfaltet - dieses Opfer bin ich selbst. Ich selbst muß für sie des Todes sterben. )
Franz bleibt sich treu
Schweizer, der seinen Schwur nun nicht einlösen kann, erschießt sich.
Ich finde die Pastorszene irgendwie überflüssig.
Unerwartete Ereignisse
Ein Räuberlied leitet in die Szene ein. Es erläutert noch einmal den absoluten Freiheitsbegriff, den die Räuber als ihre Motivation sehen.
Bei seiner Ankunft zieht Karl sich ohne weiteres Aufhebens zurück. Ich glaube, dass ihm der Entschluss, seine Amalia (selbstverschuldet) ein für alle Mal zu verlassen, die Motivation seiner Taten nimmt. Die Liebe in seinem Herzen ist zum Verderb verdammt. Deshalb spürt er das nahende Ende seines Projektes, das sich auch in der herbstlichen Stimmung der Natur wiederfinden lässt. In diesem Moment ist er nicht mehr der Räuber Moor. So konnte ihn auch nicht das Zeichen der ewigen, treuen Männerfreundschaft erreichen. Schweizer fühlt sich missverstanden, wenn Karl sagt: "Das warst nicht du." Karl spricht verallgemeinernd von der Rachegöttin, von der Tatsache, dass diese Entwicklung der Dinge von der ausgleichenden Gerechtigkeit geprägt ist. Schweizer versteht es als eine Art Vorwurf.
Die, aus dem endgültigen Verlust der Liebe entstehende, Verzweiflung ruft die Selbstmordgedanken hervor. Er entscheidet sich abermals gegen eine Flucht aus seinem qualvollen Leben, diesmal jedoch nicht durch äußere Umstände erzwungen, sondern aus einer inneren und würdevollen "freien Entscheidung" heraus.
Bemerkung:
Die sophistischen Gedanken können Karls Moral und Gewissen nicht erschüttern (denn er zittert heftig).
Mich stört die finanzielle, irdische Belohnung für die Rache, die er Schweizer zusätzlich ankündigt. Vorher legt er dar, weshalb er die Rechtfertigung erhält Rache zunehmen. Er spricht vom Urzustand der Dinge, dem Zwiespalt aller Dinge, ausgelöst durch den Vatermord, der gegen Menschlichkeit und sämtliche Moralvorstellungen verstößt.
Donnerstag, 3. Januar 2008
Empfindsamkeit bis zum Überlaufen
Amalia sitzt im Garten. Sie ist in Gedanken versunken. Die Gefühle, die sie dem Fremden gegenüber empfindet, bereiten ihr Pein. Sie bleibt standhaft bei ihrem Schwur ihn ewig zu lieben. Karl tritt auf. Beide berichten einander von ihrer großen Liebe. Wir erfahren, warum Karl nicht zurückkehren kann: Amalia rückt von Karl als dem Verbrecher ab und preist stattdessen den nicht mehr existierenden unschuldigen Geliebten. Das beide ungeachtet von Schuld, jeder für sich, ein von Grund auf gutes Herz besitzen, beachtet sie nicht.
Der Unschuld wegen?
Den Entschluss, ohne Rache oder ohne zumindest die Untertanen von Franzens Schreckenherrschaft zu befreien, abzuziehen finde ich nicht ganz schlüssig. Bewegt Karl die Erinnerung an die Unschuld seiner Kindheit zu diesem Schritt? Will er sich desshalb so feig aus der Affäre ziehen?
In der Höhle des Löwen
Der Charakter von Franz wird durch die Einführung Daniels noch einmal geschärft. Es bildet sich ein scharfer Kontrast zwischen dem Materialisten und dem obrigkeitshörigen, treuen, frommen, bäuerlich beschränkten, aber friedlichen Daniel. Auch der Monolog von Franz in dieser Szene steht dem von Karl in der letzten Szene als Gegenstück gegenüber. Während Karl Schuldgefühle am Schicksal seines Vaters plagen, überwindet Franz seines durch einen weiteren sophistischen Angriff auf das Phänomen der Geburt und damit des Lebens.
Ich verstehe nicht, warum Amalia ihren Geliebten nicht erkennt. Die "Larve", die er aufgesetzt hat und das nun wilde und sonnengegerbte Haupt, scheinen ihn zumindest nicht gänzlich unkenntlich gemacht zu haben, sonst hätte Franz ihn schließlich nicht erkannt.
Rückkehr in die Heimat
Karl in seiner Heimat. Erinnerungen werden wach. Er verschleiert seine Identität, um unerkannt in das väterliche Schloss einzutreten.
(Schon besser :-) )
Mittwoch, 2. Januar 2008
Die Schlacht ist gewonnen - und was ist mit dem Krieg?
Der Hauptmann liegt nach gewonnener Schlacht vor Erschöpfung wie erschlagen auf einer Lichtung. Vor dem Idyll der Natur im Licht des Sonnenuntergangs verzweifelt Karl. Er sieht nur die aufgeklärte Vergänglichkeit des Lebens. Daraus erwächst ihm die Nichtigkeit jedes menschlichen Handelns. Er sehnt sich nach der Unschuld der Jugend, nach den Freuden des einfachen Lebens (der Tagelöhner). Angesichts seiner Lage in den Tiefen des Abgrunds des Schicksals wünscht er sich zurück in den "Mutterleib". (Interessant: Zuvor, als er von den Schandtaten seiner Männer erfahren hat, wollte er sich noch in eine Erdspalte verkriechen. Später sehnt er den Tod herbei.) Durch den Rückhalt, den seine Männer ihm geben und den Blutzoll den sie an ihn entrichtet haben, gestärkt, schwört er ihnen erneut die ewige Treue.
Ein junger Bursche, Kosinsky sein Name, trifft auf die Truppe, mit dem erklärten Ziel ihr beizutreten. Karl rät ihm davon aufs heftigste ab. Man spürt förmlich die Reue, die ihn, ob seines Beschlusses Räuber zu werden, plagt. Kosinsky lässt sich jedoch nicht beirren. Er legt den Männern sein Schicksal dar, das durchaus vergleichbar mit dem Karls ist. Er selbst hat sein persönliches Amalien-Erlebnis. Moor von diesen Schilderungen erregt, gibt seine Entscheidung bekannt, in seine Heimat zu reiten, um seine Geliebte wiederzusehen.
Eine gewisse Enttäuschung meinerseits muss ich eingestehen, wenn Karl versuchen will sein individuelles Schicksal zu richten, anstatt sich nun in seiner Rolle als Rächer bestärkt zu sehen und gegen das System als ein Ganzes vorzugehen. Wenn man seine Erinnerungen an die Jugend kurz zuvor bedenkt, scheint mir der Entschluss psychologisch zwar plausibel, meine Erwartungen an diesen außergewöhnlichen Charakter erfüllt es jedoch nicht.
Gelacht - vielleicht zu Unrecht - habe ich, als Spiegelberg vor meinem inneren Auge sich die Haare raufend sich aufregt, wie ungeschickt der Hauptmann bei der Rekrutenanwerbung verhandelt. :) (vermutlich schwer nachvollziehbar, aber was solls..?!)
(Amalia scheint wohl ein recht beliebter Name damals gewesen zu sein..)
"Seele rann in Seele - Erd und Himmel schwammen wie zeronnen, um die Liebenden" - Nein Franz, nicht du.
Amalia sitzt im Garten, spielt auf ihrer Laute und singt dazu ein Lied auf ihre verlorene Liebe. Franz kommt hinzu und versucht erneut mit allen Mitteln Amalia für sich also Frau (später Mätresse) zu gewinnen. Sie bleibt standhaft, sowohl gegenüber Betteln und Bitten, als auch Befehlen und Drohungen. Sie prophezeit ihm ihren ewigen Widerstand gegen ihn, will lieber ins Kloster gehen, als ihm seinen Wunsch zu erfüllen. Sie wehrt sich sogar physisch, indem sie ihm "Maulschelle" gibt und ihn schließlich mit seinem eigenen Degen verjagt. Plötzlich tritt Herrmann auf. Von Schuldgefühlen getrieben gesteht er ihr das Geheimnis, dass sowohl der alte Moor, als auch ihr Geliebter noch immer leben.
Das Liebeslied finde ich, obwohl es aus heutiger Sicht kitschig ist, doch interessant. Es beschreibt, wie Körper und Geist sich im Liebestaumel aus ihrem ewigen Spannungsverhältnis in Harmonie auflösen. Eine Eigenschaft, die ich auch der Musik zuspreche. Auch sie entfaltet fast schon magische Anziehungskraft auf den Menschen. Musik spricht sowohl unabstreitbar den Geist an, als auch den Körper. Man bewegt sich z.B. rhythmisch zu der Musik und auch Kleinkinder fangen, wenn sie Musik hören, irgendwann intuitiv an mit den Armen zu fuchteln, als ob sie dirigieren würden.
Sonntag, 30. Dezember 2007
Der Schwur zur Freiheit
Inhalt: Spiegelberg ist auf dem Weg zurück zum Räuberstützpunkt. Er bringt neue Rekruten mit und prahlt mit seinen Missetaten. Als er im Lager ankommt erfährt er, dass der Räuber Moor während seiner Abwesenheit Roller vom Galgen gerettet hat, indem er eine ganze Stadt vernichtete. Kurz darauf erreicht die Truppe die Meldung, dass der Wald von 1700 böhmischen Soldaten umstellt ist. Ein Pater kreuzt auf, um mit den Räubern zu verhandeln. Diese, maßgeblich beeinflusst durch Karl, schlagen jedoch jegliches Angebot in den Wind und erneuern und bekräftigen stattdessen ihren Schwur, für den Hauptmann zu sterben.
Spiegelberg zeigt im ersten Teil (Gespräch mit Ratzmann) offen seine Gesinnung. Wie Franz ist er äußerst berechnend und bildet sich viel auf sein "Köpfchen" ein. Er lockt seine Rekruten förmlich wie in eine Falle, anstatt sie wie der Hauptmann mit seinem Enthusiasmus anzustecken. Er ist eitel, denn er freut sich über jeden Artikel, in dem er beschrieben wird. Die Sturm und Drang Gesinnung, die er sich in der zweiten Szene des ersten Aktes noch mit Karl teilte, schwächt sich hier zugunsten der Eigenschaften, die ihn mit Franz verbinden ab. Die Ideale des Hauptmanns, die Karl auszeichnen, tut er als "seine Grillen" - seine Macken - ab.
Kann mir jemand sagen, wen er mit dem Holzapfel bezeichnen will, der selbst im Paradies (gemeint ist, vermute ich, Italien) nicht zur Ananas wird?
Der zweite Teil (Schilderung der Befreiung Rollers) befremdete anfänglich etwas. Eine ganze Stadt in Schutt und Asche legen, über achtzig Personen umzubringen, nur um an einen Kameraden zu gelangen schien mir unter dem Gesichtspunkt der Moral äußerst fragwürdig. Zu der Reaktion Karls habe ich mich schon in einer Antwort auf Ilans Post bezüglich der dritten Szene des zweiten Aktes ausgelassen. Das Motiv des Männerbundes wird hier zum ersten Mal deutlich herausgehoben.
Karls Reaktion auf den Pater ist äußerst geschickt. Er wartet ab, bis der Pater sein verbales Pulver verschossen hat, nimmt ihm durch seine passive Haltung den Wind aus den Segeln. Umso gewaltiger und vernichtender fällt dann seine Wortmeldung aus. Zuerst stellt er die Legitimation der christlichen (ich vermute, besonders der katholischen) Kirche in Frage, indem aufzeigt wie sehr sie sich sonnt in der, dem Bewusstsein der Bevölkerung hineingerammten, den Leuten aufoktroyierten und ewig gepredigten, unantastbaren Stellvertreterstelle Gottes und wie sehr sie dabei selbst den Gedanken Gottes, der Religion, die Moral vergessen hat. Nur einen Nebensatz ist ihm hingegen die weltliche Gerichtsbarkeit wert. "Geh hin, und sage dem hochlöblichen Gericht, das über Leben und Tod würfelt [...]" Sich selbst stilisiert er danach zu einem stolzen "Großen", der die Ungerechten bestraft (Hier ließ sich Schiller aller Wahrscheinlichkeit nach von der Schilderung des Robin Hood inspirieren.) Er sieht sich mit der Last seiner Schandtaten, die er "ohne Zweifel einmal im Schuldbuch des Himmels lesen" wird, noch immer über den erbärmlichen Verwesern, all den bigotten Wesen auf Erden.
Ich denke, nur so lässt sich die Reaktion der übrigen Räuber verstehen, die das Angebot des Paters auf Amnestie abschlagen. Denn die Fortsetzung der Rede des Hauptmanns, in dem er sich als den Helden und den Rest der Räuber als arme Teufel hinstellt, wäre an sich viel zu gewagt. Dieser Geniestreich, mit dem Karl seine Mannen an sich bindet, scheint mir nicht mehr rein berechnend, sondern vielmehr intuitiv, aus der verzweifelten Lage und seinem Vertrauen in die Menschlichkeit heraus geboren.
Aufmerksam machen möchte ich auf die Wandlung des Freiheitsbegriffs, wenn der Hauptmann ruft: "Itzt sind wir frei - Kameraden!"
Die Frage, die sich mir stellte, war, ob sie denn vorher noch nicht frei waren, obwohl sie doch schon ganz zu Anfang ihre Freiheit durch die Gründung der Räuberbande zu erlangen suchten.
Während sie sich am Anfang mehr von ihrer misslichen Lage lossagten, als sie Freiheit verlangten (abgrenzende Freiheit), halte ich nun ihr Votum für den Hauptmann für einen ganz neuen Freiheitsbegriff. Sie bestätigen die Ideale Karls und geben damit ihrer Freiheit Struktur.
Haltet Ihr das für schlüssig? Comments erwünscht :-)
Der (Schein)Tod des Alten
Die Geschichte, die Herrmann dem Alten Moor auftischt wäre heute wohl kaum noch glaubwürdig. Vermutlich ist der Inhalt dem damaligen Geist der Zeit geschuldet und der zeitgemäßen Dichtung entliehen.
Ist es nicht ein bisschen seltsam, dass Amalia in Ohnmacht fällt, aber kurz darauf quicklebendig aus dem Zimmer stürmt?
Ich würde mich über Kommentare über das Hector-Lied freuen, das scheint mir diskussionswürdig.
Samstag, 29. Dezember 2007
Der Plan des Franz
- Franz Moor nachdenkend in seinem Zimmer. - Die Szene dient dem erneuten, ausführenden Blick auf Franzens Wesen. Franz möchte seinen Vater in den Tod treiben. Dieser Entschluss ist das gedankliche Resultat seiner materialistischen Einstellung (siehe vorherige Mitteilungen). Er will seine Machtgelüste ausleben, jedoch ohne die Gefahr, dass dieser moralisch verwerfliche, ja kriminelle Akt in irgendeiner Weise auf ihn selbst zurückfällt. Um diese "friedliche Eintracht der Seele mit ihrem Leib zu stören" sucht er sich einen "Deus ex Machina", den er in Herrmann findet. Er manipuliert ihn auf äußerst geschickte Weise, indem er alle Register der Beeinflussung auf ihn anwendet: Er stellt seine Würde in Frage (Herrmanns Herkunft ist fragwürdig, Franz spricht von „Meerrettig“ und Rindfleisch, zwischen denen er gezeugt sein soll), lenkt und steigert seinen Zorn, indem er etwaige Demütigungen Karls und des Alten Moors, die wahrscheinlich lang zurückliegen, Herrmann ins Gedächtnis ruft. Er verspricht ihm die Liebe Amalias, wohl wissend, dass er, Franz Höchstselbst seine eigenen Pläne mit ihr hat und nutzt nicht zuletzt auch die Raffgier des Menschen aus, wenn er Herrmann einen Batzen Geld anbietet. Um den für seinen Plan Unentbehrlichen auf seine Person einzuschwören, stärkt er ihm das Rückgrat seines kranken Egos, indem er ihn in seinen Empfindungen verbal bestätigt und weiter antreibt.
Für sprachlich äußerst gelungen halte ich die Beschreibung der Reue als Schlange (aus Franzens Perspektive).
Bemerkenswert finde ich, dass sowohl Materialismus, als auch der Idealismus, den Schiller propagiert und die sich sonst gegenseitig heftigst ablehnen, sich doch in dem einen einzigen Punkt überschneiden, dass sie beide die Überwindung der natürlichen Realität mit Hilfe der Vernunft zum Ziel haben. Diese Erkenntnis ist für mich ein weiteres Indiz, keiner solcher Weltanschauungen als absolut zu sehen. (Wobei ich diesen Vorwurf keineswegs Schiller machen würde.)
Donnerstag, 27. Dezember 2007
Sag mal is' dein Vater Bäcker? Du hast so schöne Brötchen. - oder: Ein plumper Versuch
Kastratenjahrhundert
Karl redet mit Spiegelberg in einer Schenke irgendwo an der sächsischen Grenze. Karl stellt der gelehrten Abstraktion seiner Zeit die großen Taten der Antike gegenüber. Wir erfahren von Karls wildem Leben (Stinkereinen in Leipzig) und dass er nun hoch verschuldet ist. Dass ihm Gnade in dieser Schuldfrage verwehrt ist, sieht Karl als Zeichen für die Bigotterie des Christentums und damit der seinerzeitigen Gesellschaft. Ungestüm wie er ist, verallgemeinert er seinen Zorn gegen das Gesetz als Ganzes. Demgegenüber sieht er die Freiheit als Grundlage der menschlichen Größe. Spiegelberg zeigt die gleichen Sturm und Drang Motive, wie Karl, allerdings ist seine Rede nicht geprägt von im Grunde jugendlicher Gutherzigkeit, sondern von einer kriminellen Färbung. Er hat die Idee zu Gründung einer Räuberbande. Jedoch hat Karl bereits zuvor den Entschluss gefasst sich zu ändern, sobald er die positive Rückmeldung seines Vaters erhalten würde.
Diese hoffnungsvolle Erwartung wird durch die Antwort aus seinem Elternhaus enttäuscht. In seiner Wut und Verzweiflung, ob dieser Ungerechtigkeit, die ihn in seinen moralischen Grundfesten erschüttert, entschließt sich Karl der Räuberbande als Hauptmann zu dienen. Er will Rache nehmen, will aus dem Kreise des Gesetzes austreten, um die Menschlichkeit wiederherzustellen.
Auch Karl greift unabhängig von seinem Bruder Franz die Thematik der Blutliebe auf. Schiller realisiert hier seinen Vorsatz, den er in dem Vorwort bereits geäußert hat, die Seele des Menschen aufzugliedern. Das ewige Spannungsverhältnis im Menschen zwischen Körper und Geist, zwischen Sinnlichkeit und Vernunft wird hier in seinen Bestandteilen individualisiert, zu zwei verschiedenen Menschen aufgedröselt, um es flapsig auszudrücken. Karl sieht die Blutliebe nicht als nichtig, als ein Gespinst der unvernünftigen Menschheit an, ganz im Gegenteil: Karl sieht es als die "Liebe der Natur" an. Diese Liebe der Natur muss in allen Aspekten des Lebens aufrecht erhalten werden. Wenn ein Vater seinen Sohn aus diesem Bund entlässt sieht er es also als einen Verrat an der Menschlichkeit und der Natur.
Es stellt sich die Frage, ob Karls Entschluss der Räuberbande vorzustehen eine Kraftäußerung im Sinne des Sturm und Drangs ist. Zwar wird Handeln, im Kontrast zum Zaudern im Allgemeinen meist als stark empfunden, doch treibt Karl die Enttäuschung seiner Moralvorstellungen in diesen Entschluss. Daher würde ich persönlich die Frage verneinen. Wie seht Ihr das?
Noch eine Denkanregung: Wenn Karl von der Republik spricht, widerspricht das nicht seinem Wesen? Später beobachten wir immer wieder seine despotische Neigung, seinen Hang zum Herrischen gegenüber seinen Männern. Sprach derselbe Karl doch noch wenige Zeilen zuvor von der Größe des Menschen durch die Freiheit. Ob er mit der Grundlage der Demokratie, dem Kompromiss zurande käme?
Was ist mit dem Geist Hermanns gemeint?
Dienstag, 27. November 2007
Charakterbesetzung
Franz von Moor:Portrait angefertigt von Gerhard Sperling. Es zeigt sehr deutlich die Grausamkeit und Kälte aufgrund von verdrängten menschlichen Gefühlen. Er ist die Inkarnation des Bösen.
Dick C., ein Demagoge aus dem Westen, konnte seine Verführerfähigkeiten bereits unter Beweis stellen. Es sei dahin gestellt, ob Dick C. für seine Überzeugung lügt oder mit Hintergedanken an die Wirtschaftszweige, die von Kriegen als erste profitieren und an denen er persönlich in erheblichem Maße beteiligt ist. Die Gabe zu verführen und aus dem Hintergrund zu lenken ist auch Spiegelberg gegeben, doch die ausschließlich kalt berechnende, eigennützige Ader bleibt Franz vorbehalten.Karl von Moor


Ein gutherziger und liebender Mann. Die Farbe seines Gesichtes und seines Mantels sind warm, das Gesicht spricht für sich.
Er ist begehrt bei Frauen und Männern gleichermaßen. Allerdings mischt sich unter seine vorgebliche härte menschliche "Weichheit".
Die zum Teil unüberlegte und ungestüme Handlungsweise schuldet er seiner Rolle als Gegenspieler zu Franz, dem alles mit der Vernunft durchdringenden.
Amalia:- attraktiv
- naiv (Kommentar: Der Eindruck, dass das allzu scharfsinnige Denken nicht ihre Sache sei, ergab sich aus einigen Stellen des Dramas: So erkennt sie zum Beispiel als einzige im Schloss ihren Geliebten nicht hinter seiner Maskerade.)
- selbstbewusst, bleibt Drohungen gegenüber standhaft
- musisch, liebend
- stolz
Wortwahlvergleich "Räuber" - "Michael Kohlhaas"
Lediglich die fünf wichtigsten Auffälligkeiten herauszustellen fällt schwer. Im Grunde ist (fast) jede der Zeilen äußerst bezeichnend für die Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten der einzelnen Werke. Außerdem verbinden die Wörter sich inhaltlich zu Themenkomplexen, wie z.B. Liebe, Träne, Mut und Herz, wie auch die zahlreichen Ausrufe- und Fragezeichen in „Die Räuber“ alle auf eine dem „Michael Kohlhaas“ fremde Emotionalität hinweisen.
Wenig überraschend ist, dass Recht und Fürst bei „Michael Kohlhaas“ quantitativ häufiger verwendet wird, als das bei Schillers Werk der Fall ist. Zwar beschäftigen sich beide Protagonisten eingehend mit ihrer Stellung in der Gesellschaft, doch ist Kohlhaas sehr stark auf die Obrigkeit im angehenden Rechtsstaat fixiert.
Für Karl von Moor dagegen spielen Gefühle und menschliche Bindungen die entscheidende Rolle (Vater, Sohn). Als sie von fremder Hand gekappt werden, stellt das für ihn eine existentielle Erfahrung dar, die für ihn dem Leben den Wert nimmt und dem Tod den Schrecken.
Mittwoch, 14. November 2007
Der Teufel der unerwiderten Liebe
„Wer es einmal so weit gebracht hat, (ein Ruhm, den wir ihm nicht beneiden) seinen Verstand auf Unkosten seines Herzens zu verfeinern, dem ist das Heiligste nicht heilig mehr - dem ist die Menschheit, die Gottheit nichts – Beide Welten sind nichts in seinen Augen“
Herausheben möchte ich dieses Zitat, weil es meine tiefste Geistes-, ja fast schon Glaubenshaltung widerspiegelt und in einer Prägnanz, aber doch Unmissverständlichkeit artikuliert ist, wie ich Vergleichbares selten finde.
Doch nun zur Pflichtübung:
Der Inhalt ist im Grunde in den übrigen Blogs zur Genüge beschrieben: Der zweitgeborene Sohn Franz umspinnt seinen Vater, den Alten Moor, mit einem Netz aus Lug und Trug, um die emotionale und weltliche Verbindung zwischen dem Vater und dem Erstgeborenen Karl zu kappen. Franz will sich dadurch das Erbe des alten Mannes erschleichen.
Der Titel dieses Posts „Der Teufel der unerwiderten Liebe“ würde mit einem angehängten Fragezeichen, vermutlich die Frage besser beschreiben, die sich mir während der Lektüre des ersten Kapitels stellte. Da allerdings die Aufgabe eines Titels darin besteht, den potenziellen Leser sofort in seinen Bann zu schlagen, wollte ich dem Titel seinen provokanten Charakter nicht nehmen.
Der erste Eindruck legt mir nahe, dass der Charakter des Franz weit davon entfernt ist, eine naiv eindimensional von Natur aus böswillige Gestalt zu sein. Vielmehr wird deutlich, dass Franz sich aufgrund seines Aussehens und seines Standes als zweitgeborener Sohn gegenüber seinem Bruder benachteiligt fühlt. Wenn Franz die Liebe beklagt, die er während seiner Jugend entbehrte und stattdessen Karl zuteil wurde, wird deutlich, wie nah Liebe und Hass beieinander liegen. Wobei zu fragen wäre, ob Franzens Haltung nicht gar schon an Gleichgültigkeit gegenüber seinen Verwandten grenzt.
Das ist freilich nur ein Teilausschnitt aus den Gedanken, die diese Textpassage initiiert, aber es is schon spät...
Anmerkungen:
- Auch nachdem ich das Stück jetzt durchgelesen habe, weiß ich noch immer nicht, was es mit dem angedeuteten Familienfluch auf sich hat. So beklagt der Vater, dass sich dieses schlimme Schicksal bis in die zweite und dritte Generation durchziehen würde. Kann mir darauf jemand eine Antwort geben oder habe ich nichts übersehen und es bleibt nur eine Andeutung?
- Ganz groß finde ich, wie Schiller Karls erwähnte Tugenden durch Franzens Überlegungen, bezüglich der Blutbundes zwischen Eltern, speziell zwischen Vater und Sohn, entgegenstellt.
Ein absolut konsequent gedachter aufgeklärter Materialismus führt zur Demontage dieser Instanz im Namen der Vernunft und führt zu seinem Schluss, dass das einzige Ziel eines jeden die eigene, persönliche Besserstellung sein muss. Indem man alles im Sinne der Sophisten in Fragestellt, entsteht absolute Beliebigkeit. Franz löst das durch sein Streben auf individuelle Besserstellung, für ihn gleichbedeutend mit Macht. Inzwischen bin ich nämlich zu der Auffassung gelangt, dass Franz nicht aus Hass, sondern wie ich zuvor schon vermutete, aus reinem Machtstreben handelt. Besonders deutlich zeigt sich das für mich in der Betrachtung seiner Gedanken über seine geplante Liaison (schreibt man das wirklich so?) mit Amalia. Er spricht nicht von enttäuschter Liebe, sondern sagt: "und ihr muss ich diesen Karl aus dem Herzen reißen." (Seitenangaben spare ich mir, denn ich besitze nicht die Reclam-Ausgabe)
- Kurz hinweisen möchte ich noch auf die Rolle des Vaters, die mir nicht allzu gelungen scheint. Seine Bedeutung beschränkt sich hauptsächlich darauf, die beschriebene Situation herbeizuführen. Wie, scheint eher sekundär: Zum einen müsste der Vater seinen Sohn besser kennen, als dass er die Fälschung von Franz so unhinterfragt annimmt. Zum anderen stellt sich mir die Frage, wie selbst ein so seniler Alter die zuvor mehrmals betonte Tatsache ignorieren kann, dass der Aufenthaltsort Karls niemandem bekannt sei. Trotzdem entschließt er sich dem Sohn, der sich auf der Flucht befinden soll, einen Brief zu schicken.
Donnerstag, 8. November 2007
Unbekannter Bankräuber von der Suchliste des FBIs

Die Zeit der Bankräuber ist offensichtlich noch nicht vorbei. Allerdings haben sich die Methoden der meisten Räuber über die Jahrhunderte nicht entscheidend weiterentwickelt (s.o.). Die der Fahnder hingegen schon: Dieser Steckbrief steht auf der Website des FBIs, vermutlich machen sich die Fahnder die neuen Medien jedoch nicht nur zur Verbreitung des altmodischen Steckbriefes zu nutze...
Mittwoch, 7. November 2007
Test: Bevor es an die Lektüre geht, erstmal Hintergrundinfos sammeln:
Es hat den Anschein:
